Ausgelegt für zukünftige
Optimierungen: PC-based Control
Offenheit in der
Gebäudeautomation, konsequent zu Ende gedacht
Anima Care ist Betreiber von Seniorenpflegeheimen in Belgien und ist
mit derzeit elf Häusern und mehr als 1100 Pflegebetten ein gewichtiger
Anbieter im belgischen Pflegeheim-Sektor. In der Vergangenheit ist das
2007 gegründete Unternehmen vor allem durch die Übernahme bestehender
Heime gewachsen; seit 2012 hat Anima Care jedoch nicht weniger als vier
neue Immobilien errichtet und in Betrieb genommen. Aus der Erfahrung
mit unterschiedlichsten Gebäudeautomationssystemen reifte die
Entscheidung der Verantwortlichen, zukünftig nur auf eine offene
Plattform zu setzen, die nachträgliche Erweiterungen und Anpassungen
problemlos zulässt und gewährleistet. Konsequent umgesetzt wurde dieser
Plan in der neu erbauten Seniorenresidenz „Au Privilège“, in
Zusammenarbeit mit FixSus, einem jungen belgischen Unternehmen, das auf
integrierte Gebäudeautomation spezialisiert ist.
Dass Offenheit in der Gebäudeautomation keine Selbstverständlichkeit
darstellt, weiß Luc Devolder, Technischer Leiter von Anima Care, aus
Erfahrung. „In der Vergangenheit sind wir vor allem durch die
Aquisition bestehender Heime gewachsen und demzufolge mit einer
Vielzahl unterschiedlicher Gebäudesteuerungssysteme konfrontiert. In
manchen Gebäuden haben wir kaum einen Einblick in die Funktion der
technischen Anlagen und den Energieverbrauch, weil es sich um
geschlossene Systeme handelt. Aufgrund ihrer Verschiedenheit sind wir
außerdem für jedes Gebäude an jeweils andere Lieferanten gebunden und
es ist sehr schwierig, Anpassungen vorzunehmen.” Aufgrund dieser
Situation wollte Luc Devolder in seinen Neubauprojekten ein offenes
Gebäudeautomationssystem installieren: „Ich komme aus der Industrie und
wollte die Prinzipien, die ich von dort kenne, in der Gebäudeautomation
umsetzen. Nun haben wir gemeinsam mit FixSus eine Lösung entwickelt,
die uns Transparenz bietet und uns weitestgehend lieferantenunabhängig
macht.“
Durchgängige Offenheit
bis zu den Komponenten
Was dies in der Praxis bedeutet, ist in der im August 2014 in
Haut-Ittre eröffneten Seniorenresidenz „Au Privilège“ zu sehen. Das
ganze Gebäudemanagementsystem, von der Ansteuerung der Heizkessel über
die Bedienung der Beleuchtung bis hin zur Zugangskontrolle und zum
Rufsystem, läuft über eine einzige CPU – einen Embedded-PC CX5020.
Komponenten, wie die Lichtschalter, sind über eine klassische
Verdrahtung mit den EtherCAT-Klemmen verbunden. Es gibt ein paar
Ausnahmen, wie z. B. die Raumtemperaturregler; die Modbus-basierten
Geräte kommunizieren über eine serielle Schnittstelle, die
EtherCAT-Klemme EL6021, mit der Steuerung.
„Wenn man sich für ein offenes System entscheidet, muss man das Konzept
konsequent bis hin zu den einzelnen Komponenten durchziehen“,
unterstreicht Luc Devolder. „Das heißt unsere Lichtschalter – um bei
diesem Beispiel zu bleiben – sind normale Schalter, die man in jedem
Baumarkt kaufen kann, und die somit auch jederzeit ausgetauscht werden
können. Sie sind nicht an das Bussystem angeschlossen, haben keine
Adresse und müssen nicht konfiguriert werden. Der Anschluss erfolgt
über eine normale 24-V-Verdrahtung. Aus meiner Sicht muss ein offenes
System vor allem einfach zu handhaben sein, das heißt die I/Os sollten
sich problemlos austauschen lassen, ohne dass das ganze System eine
Anpassung erfordert.“ An dieses Konzept hat sich Anima Care auch bei
den komplexeren Systemen wie z. B. der Heizung und der Belüftung
gehalten. Auch die Kaskadenregelung für die Heizung wurde nicht als
separates System realisiert, sondern ist in das Gebäudemanagementsystem
integriert. „Dies erfordert, dass wir auch bei diesen Systemen immer
auf Offenheit achten: Das heißt alle I/Os müssen direkt von der
zentralen PC-Plattform aus steuerbar sein.
Das komplette
Gebäudemanagementsystem auf einem Flash-Speicher
Das von FixSus entwickelte Gebäudemanagementsystem, das im Pflegeheim
„Au Privilège“ zum Einsatz kommt, heißt TIBA, was für „Total Integrated
Building Automation“ steht, wie FixSus-Geschäftsführer Koen Verschuere
erläutert: „Nach der Unternehmensgründung 2009 hatten wir recht schnell
einige große Kunden, die auf der Suche nach offenen Systemen waren. Die
großen Player in der Gebäudeautomation setzen auf ihre eigenen
Plattformen, wodurch man als Kunde von einem einzigen Lieferanten
abhängig ist – einschließlich aller Anpassungen und der Wartung des
Systems. Diesen Trend wollten wir durchbrechen. Ich habe damals einige
offene Systeme aus der industriellen Automatisierung getestet und die
Embedded-PC-Serien von Beckhoff mit integrierter I/O-Ebene erschienen
mir, sowohl was die Leistung betrifft, als auch in Bezug auf den Preis
und den technischen Support, die beste Wahl zu sein.”
In der neu eröffneten Seniorenresidenz wurden insgesamt etwa 3000 I/Os
verbaut. „Diese sind über EtherCAT-Klemmen mit einem CX5020 mit
Intel®-Atom™-Prozessor und Windows CE verbunden. Unser
Gebäudemanagementsystem befindet sich auf einem Flash-Speicher. Dies
hat den Vorteil, dass im Falle eines CPU-Ausfalls nur die Speicherkarte
in eine neue CPU gesteckt werden muss und das System wieder voll
betriebsbereit ist“, wie Luc Devolder formuliert.
Bis zu 50 % Einsparung
bei den Energiekosten
Ein großer Vorteil der PC-Plattform besteht darin, dass man alle
Zustände protokollieren kann, was bei dieser Anwendung etwa vier
Sekunden dauert. In dieser Zeit ruft ein Server bei FixSus alle Daten
ab, woraufhin verschiedene Analysen durchgeführt werden. „Auf der Basis
aussagekräftiger Daten können wir gezielt einzelne Funktionen
analysieren und Optimierungen ausführen. Gegenüber vergleichbaren
Projekten haben wir dadurch bis zu 50 % bei den Energiekosten einsparen
können“, erläutert Koen Verschuere.
„Ein weiter Pluspunkt des offenen Systems besteht darin, dass wir uns
aus der Ferne einloggen, den aktuellen Zustand abrufen und im gegebenen
Fall Anpassungen vornehmen können. Kunden, die mehrere Gebäude
betreiben können auf diese Weise alles von einem Standort aus verwalten
oder uns als Dienstleister damit beauftragen.
Flexible Erweiterbarkeit
Zur Gewährleistung von Offenheit und Flexibilität hat FixSus die Logik
und die Schnittstellen des Gebäudemanagementsystems komplett selbst
entwickelt. Die gesamte Software ist in Modulen enthalten, die, je nach
Bedarf des Kunden, wiederverwendet und ergänzt werden können. „Sollte
beispielsweise beschlossen werden, die Beleuchtung auf dem Parkplatz
mit Bewegungssensoren anzusteuern, kann die erforderliche Hardware
relativ einfach angeschlossen werden. In der Software muss lediglich
ein zusätzliches Modul eingerichtet werden“, betont Koen Verschuere.
Die Module können ohne Systembeschränkung angepasst und neue Funktionen
hinzugefügt werden.
Mehr Informationen finden Sie unter:
www.fixsus.be
www.animacare.be
www.beckhoff.at/building