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2020-11-26T09:53:33.4617969+01:00 BAUDATENBANK.AT - Österreichische Baudatenbank

Warmwasser stets sofort verfügbar


Warmwasser stets sofort verfügbar

Wer sich die Hände waschen will, oder unter der Dusche steht, braucht warmes Wasser. Möglichst ohne Zeitverzögerung soll dann wohltemperiertes Nass fließen. Kein Hausbewohner möchte auf diese Annehmlichkeit verzichten. Diesen Komfort vermögen beispielsweise «im Hintergrund arbeitende» Temperaturhaltebandsysteme zu bieten.

Jede Warmwasser-Versorgung basiert auf einem Wassererwärmer, der das Wasser zunächst erhitzt. Über Rohre wird das Wasser zu den Entnahmestellen transportiert. Hier lassen sich zwei Techniken unterscheiden: Das Zirkulations-System und das Temperaturhaltebandsystem. Ersteres ist als Kreislauf aufgebaut: Das erwärmte Wasser fließt zu den Zapfstellen und zurück. Das heißt: Für die Versorgung mit Warmwasser muss teuer, platzraubend und aufwändig ein doppeltes Rohrleitungssystem mit Pumpen und Regelventilen installiert werden.

Ohne Zirkulationsleitungen
Gänzlich ohne Zirkulationsleitungen arbeitet das Raychem-System von Tyco: Kernstück ist das selbstregelnde Temperaturhalteband HWAT. Die so genannte Selbstreglung der Temperaturhaltebänder beruht auf der temperaturabhängigen Leistungsveränderung. Steigt die Temperatur am Band, sinkt die Leistung und umgekehrt. HWAT wird gestreckt auf der Warmwasserleitung verlegt. Über den mikroprozessorgesteuerten Temperatursteller HWAT-ECO wird die gewünschte Temperatur abhängig vom Bauprojekt eingestellt. Das Band sorgt nun dafür, dass das im Wassererwärmer erwärmte Wasser ständig und im gesamten Rohrverteilsystem auf dieser Temperatur gehalten wird. Damit ist warmes Wasser zu jeder Zeit an jeder Zapfstelle sofort verfügbar.

Alltagsbeispiel
In einem Mehrfamilienhaus kann davon ausgegangen werden, dass infolge zeitgleicher Zapfvorgänge am Morgen, am Mittag und am Abend das Leitungsnetz mit Warmwasser aus dem Speicher durchströmt wird. Sind die Rohrleitungen entsprechend den minimal geforderten Werten der Energievorschriften gedämmt, bleibt die Temperatur im Rohr für mindestens eine Stunde auf hohem Niveau erhalten. In dieser Zeit kann die Stromzufuhr zum Temperaturhalteband über den Temperatursteller HWAT-ECO unterbrochen werden, ohne dass die Temperatur am Rohr merklich sinkt. Außerhalb der Hauptzapfzeiten sorgt das Band für die Temperaturhochhaltung der Verteilleitungen.

Energiesparen fängt mit der Reduktion von Verlusten an Wie kann das durchdachte Temperaturhaltebandsystem noch weiter verbessert werden? Die einfachste und wirkungsvollste Methode ist die Verstärkung der Wärmedämmung. Musteranlagen in der Schweiz haben bewiesen, dass der Wärmeverlust an Rohrleitungen durch besonders sorgfältige Rohrdämmsysteme wesentlich verringert werden kann. Zweischichtige Dämmungen, die in der Industrie an Hochtemperaturleitungen gang und gäbe sind, könnten auch in der Haustechnik eine wesentliche Verringerung der Wärmeverluste bewirken. Dabei können handelsübliche Materialien verwendet werden. Dieser Dämmverbund wird zwar mehr Investitionskosten verursachen, die eingesparte Energie wird diese Mehrkosten jedoch innerhalb von vier bis sechs Jahren amortisieren. So kann dank innovativer Haustechnik mit einfachen Mitteln viel für die Reduktion des Energieverbrauches getan werden, ohne dass der Benutzer Komforteinbußen erleiden muss.

Legionellenprävention
Das System der Warmwasser-Temperaturhaltung sorgt dafür, dass das Wasser auf allen Etagen eines Gebäudes gleichmäßig warm ist. Durch das Einrohrverteilsystem entfallen Rücklaufleitungen, Regelventile und Pumpen. Das erwärmte Wasser fließt von der Aufbereitung zum Verbraucher nur in eine Richtung und zwar auf dem kürzesten Weg. Der Netzinhalt wird kontinuierlich und zu 100% in Flussrichtung erneuert. Etwaige Verkeimungen durch stehendes Wasser an unbenutzten Zapfstellen werden somit nicht über das ganze Rohrleitungsnetz verschleppt. Sanierungsmaßnahmen können örtlich begrenzt durchgeführt werden.

Erhöhter Wirkungsgrad
Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich der Energiebedarf beim Einsatz eines Temperaturhaltebandsystems mindestens halbieren lässt. Bei den Berechnungen muss darauf geachtet werden, dass zur Abdeckung der Wärmeverluste bei Zirkulationen der Wirkungsgrad der Wärmerzeugung nicht vernachlässigt wird. Das Temperaturhalteband hingegen erzeugt die Wärme genau dort, wo sie gebraucht wird; unter der Wärmedämmung direkt am Rohr. Der Verzicht auf eine Zirkulationsleitung bringt ein weiteres Plus: Weil die Temperaturschichtung im Wassererwärmer nicht durch zurückfließendes Wasser gestört wird, erhöht sich dessen Wirkungsgrad deutlich. Moderne Schnellladesysteme können folglich mit kleinen Speichervolumen auskommen.

Erweiterung und Umbau
Der Verzicht auf Zirkulationsleitungen ergibt mehr Flexibilität in der nachträglichen Anpassung der Rohrführung. Besondere Vorteile ergeben sich daher bei einer Erweiterung oder bei einem Umbau. Mit dem vorgestellten System kann man einfach und schnell an die bestehende Anlage anknüpfen, ohne den bei einer Zirkulation notwendigen Aufwand der Nachjustierung der gesamten Anlage zu haben. Einfach, schnell und preiswert kann hier eine Änderung der ursprünglichen Warmwasserversorgung mit Temperaturhaltung bis nahe an die Zapfstelle realisiert werden. Es stehen drei Bänder zur Auswahl. Welcher Typ der richtige ist, hängt von der Art des Gebäudes ab. Haltetemperaturen von 37 – 70 °C können bei entsprechender Planung und Ausführung realisiert werden.

Einfache Montage
Die Installation ist schnell und einfach: Das HWAT-Band wird direkt und gestreckt auf die Leitung montiert. Bei Stahl- und dünnwandigen Edelstahlrohren wird es mit Kabelbinder im Abstand von 30 Zentimetern fixiert. Bei Leitungen aus Kunststoff und anderen schlecht wärmeleitenden Rohrmaterialien muss das Band vollflächig mit Aluminiumklebeband befestigt werden. Nach dem Anbringen des Bandes und anschließender Sichtprüfung, dokumentierter Isolationswiderstandsmessung und Funktionsprüfung der einzelnen Haltebänder, werden die Rohre mit einer dementsprechenden Wärmedämmung versehen.

Vorkonfigurierte Programme
Das intelligente Steuergerät HWAT-ECO ist mit voreingestellten Programmen versehen die auch objektbezogen angepasst und verändert werden können. Das Gerät überwacht die Speicher-Austrittstemperatur und gibt im Betrieb die Sicherheit, dass das eingesetzte Temperaturhalteband primär nur Wärmeverluste ausgleicht und die Rohrtemperatur immer unter der des Wassererwärmers bleibt. Auf diese Weise wird der Energieverbrauch auf ein absolut notwendiges Mindestmass reduziert.

Die Frage, ob für ein Projekt ein Zirkulations- oder ein Temperaturhaltebandsystem sinnvoller ist, lässt sich mit einer speziellen Software errechnen. Das Programm «SaveWatt» berechnet die Investitions- und Betriebskosten beider Systeme und ermöglicht so einen direkten Vergleich. Hierbei werden der individuelle Warmwasserbedarf und die unterschiedlichen Entnahmezeiten ebenso berücksichtig, wie die regional variierenden Energiepreise, Material- und Lohnkosten.