An den Anfang der Seite scrollen
2020-11-25T08:15:36.3807422+01:00 BAUDATENBANK.AT - Österreichische Baudatenbank

Nur manche mögen’s heiß


Nur manche mögen’s heiß

Stockerau, im Juli 2011. – Wer es zu Hause fein und komfortabel haben möchte, braucht das ganze Jahr über ausgeglichene und angenehme Umgebungstemperaturen. Gut gedämmte Gebäude mit umfassendem Sonnenschutz trotzen der ständig steigenden Quecksilbersäule.

31,4 °C wurden am 24. Mai 2011 in der Wiener Innenstadt gemessen. Die Experten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) kommen aufgrund mehrerer Modellrechnungen zu dem Schluss, dass die Periode Juni bis August 2011 mit einer Wahrscheinlichkeit von fast 60 % wärmer sein wird als in den Jahren zuvor.

Für alle Urlauber also feine Prognosen, für alle Daheimgebliebenen eher mühsam. Denn Innenräume, die sich tagsüber stark aufheizen, können in langen Hitzeperioden auch während der Nacht kaum noch abkühlen. Vor allem dann nicht, wenn schwere Baustoffe ähnlich einem Kachelofen viel Wärme speichern. Dann reicht die kurze Zeitspanne der kühleren Nacht nicht mehr aus, um diese Wärme wieder abzugeben.

Die wichtigste Gegenmaßnahme ist daher, die Hitze von vornherein auszusperren: durch eine gut gedämmte Außenwand, klug dimensionierte Fensterflächen und außen liegenden Sonnenschutz.
 
Speicherfähige Masse ist zu träge
Wer heute ein Haus plant, muss darauf achten, dass die Raumtemperatur tagsüber nicht höher als 27 °C steigt und in der Nacht auf 25 °C sinkt – und zwar ohne Klimatisierung oder Zwangslüftung. So sieht das die Norm vor.

Ob diese Selbstregulierung wirklich funktioniert, ist abhängig davon, ob sich die Innenraumtemperatur sicher und ohne großen Aufwand regulieren lässt. In anderen Worten: ob es möglich ist, überschüssige Tageswärme während der kühleren Nacht durch Fensterlüftung wieder aus dem Gebäude abzuleiten. Mag. Monika Döll, von Saint-Gobain ISOVER, spricht sich auch aus diesem Grund für den Passivhaus-Standard aus: „Gut gedämmte Außenwände heizen sich nicht auf und lassen keine Wärme in das Haus eindringen.“ Viel schwieriger ist das bei Fenstern, selbst wenn sie durch Dreischeiben-Wärmeschutzverglasung sehr gute Energiekennwerte aufweisen und mit Hitzeschutzsystemen ausgerüstet sind.

„Bei längeren Hitzeperioden ist es einfach unvermeidlich, dass die Raumtemperatur ansteigt. Jetzt kommt es darauf an, diese Wärme rasch aus dem Haus weglüften zu können – und das funktioniert umso besser, je weniger speicherfähige Masse vorhanden ist. Bei Gebäuden in Leichtbauweise, also im modernen Holzbau, ist der Anteil der speicherfähigen Masse vergleichsweise gering. Die Wärme ist also vor allem in der Luft, und die ist schnell ausgetauscht. Mittlerweile gibt es zahlreiche Beispiele dafür, dass man in Holzgebäuden selbst lang andauernde Hitzeperioden ohne Klimaanlage problemlos überstehen kann“, erklärt Döll.

„Positiv wirkt sich in diesem Zusammenhang auch der Einsatz von Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung aus, wie wir sie aus Multi-Komfort-Häusern kennen“, erklärt Döll. Im Winter für die Raumwärme gedacht, dient sie im Sommer zur Kühlung. Die Wärmepumpe für den Betrieb braucht nur sehr wenig Energie, und die kann einfach und sauber zum Beispiel über Photovoltaik gewonnen werden.

Aber nicht nur im Neubau, auch in der Sanierung kann man viel für den baulichen Hitzeschutz tun. „Die Dämmung der obersten Geschoßdecke mit 40 cm Mineralwolle ist eine einfache  Methode, um von oben kommende Hitze abzuwehren“, erklärt Döll. Bei der Sanierung von Fassaden lohnt es sich ebenfalls, den energetischen Standard eines Passiv- oder Multi-Komfort-Hauses anzustreben. „Bei Umbauten und Erweiterungen ist moderner Holzbau der ideale Partner – und zwar unabhängig von der Konstruktion des ursprünglichen Gebäudes“, so Döll weiter. „Energieeffiziente Konstruktionen schützen vor der Kälte des Winters genau so wie vor der Hitze des Sommers – und das Raumklima ist das ganze Jahr über gleichmäßig komfortabel.“