An den Anfang der Seite scrollen
2020-11-27T18:02:53.3090625+01:00 BAUDATENBANK.AT - Österreichische Baudatenbank

Wahrzeichen mit Umweltbotschaft


Wahrzeichen mit Umweltbotschaft
Mit ihrem auffallenden Erscheinungsbild und ihrer ökologischen Vorbildwirkung steht die Abfallbehandlungsanlage Spittelau seit über 20 Jahren im Fokus der internationalen Aufmerksamkeit. Nun war sie Eröffnungsort eines der wichtigsten europäischen Branchenkongresse.

Ein idealistisches Statement des Künstlers Friedensreich Hundertwasser, das jüngste Wiener Wahrzeichen und ein weltweites Vorbild für den Klimaschutz: Die Art, wie die thermische Abfallbehandlungsanlage Spittelau Technik, Kunst und Ökologie vereint, ist weltweit einzigartig – sieht man einmal von der Zwillingsanlage ab, die die Japaner im Jahr 2000 aus Bewunderung für das Wiener Original in Osaka errichtet haben. Nicht verwunderlich also, dass das Werk in der Spittelau auch noch über 20 Jahre nach seiner tiefgreifenden Modernisierung und aufsehenerregenden künstlerischen Außengestaltung zahllose WienerInnen, TouristInnen und internationale Delegationen anzieht, die sich staunend durch Müllbunker und Steuerungszentrale führen lassen. Erst Ende Mai beeindruckte das Wiener Aushängeschild für sichere und saubere Energiegewinnung die 250 TeilnehmerInnen des „Euroheat & Power“-Kongresses, dessen Eröffnungsabend in der Spittelau stattfand. Wien Energie fungierte bei der 36. Austragung der renommierten internationalen Fachveranstaltung für den Fernheiz- und Fernkühlbereich in Wien als Gastgeber. Zwei Tage lang tauschten sich ExpertInnen aus mehr als 32 Ländern in der Aula der Wissenschaften über neueste technologische und rechtliche Entwicklungen, Forschungsergebnisse und Praxiserfahrungen aus.


Vorbild Wiener Modell
Der Grund für den Zusammenschluss von 24 nationalen Fernwärme- und Fernkältevereinigungen unter dem Dach von „Euroheat & Power“ liegt auf der Hand: Angesichts der globalen Klimaerwärmung sind eine leistungsfähige Energiegewinnung bei gleichzeitiger CO2-Reduktion essenziell für die Zukunft unserer Gesellschaft. Dieses Ziel gilt es bis 2050 zu erreichen, und erfreulicherweise geht die österreichische Bundeshauptstadt hier mit gutem Beispiel voran: „Was Wien zu einem echten Vorbild für Europa macht, ist der Mix der Technologien: hocheffiziente Kraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung,  erneuerbare Erzeugungskapazitäten und Fernwärme“, betonte Robert Grüneis, Geschäftsführer von Wien Energie, im Zuge der hochkarätigen Fachdiskussion und führte aus: „Die Kraft-Wärme-Kopplung vermindert den Ausstoß von CO2 und Feinstaub und darüber hinaus wird für die Fernwärme die Abwärme aus den Müllverbrennungsanlagen genutzt.“

Ökologische trifft künstlerische Vision
Schon bevor sich die Abfallverwertung in Wien so zukunftweisend entwickelt hat, wie sie es heute ist,  konnte ein Visionär wie Friedensreich Hundertwasser für die Fassadengestaltung der thermischen Abfallbehandlungsanlage Spittelau gewonnen werden. Sogar ganz ohne Bezahlung, denn der Ökogedanke war dem Künstler wesentlich wichtiger als finanzielle Interessen. Auslöser für die Umgestaltung war 1987 ein Großbrand am Dach, der weite Teile der ursprünglichen Anlage verwüstet hatte. Heute sind die bunte Fassade und der Turm mit der goldenen Kugel aus dem Stadtbild Wiens nicht mehr wegzudenken und die Anlage ist ein Paradebeispiel für umweltfreundliche Energiegewinnung geworden. Die Tagungsteilnehmer von „Euroheat & Power“ sind nur ein Beispiel für die vielen Delegationen, die schon von Anblick und Funktionsweise der Anlage fasziniert worden sind.

Die Optimierung geht weiter
Jährlich verwertet die thermische Abfallbehandlungsanlage Spittelau 250.000 Tonnen Müll und speist daraus durchschnittlich 60 Megawatt Wärme ein. Dazu kommen fünf gas- und heizölbefeuerte Heißwasserkessel, die zur Spitzenbedarfsdeckung 400 Megawatt an Wärmeleistung produzieren. Insgesamt werden ca. 40 Gigawattstunden Strom und 500 Gigawattstunden Fernwärme erzeugt und damit 60.000 Wiener Haushalte beheizt. Und als ob das nicht bereits imponierende Zahlen wären, wird die Abfallenergie durch die Generalsanierung bis 2015 – übrigens Großteils bei laufendem Betrieb – bald noch besser genutzt werden. „Beim Umbauprojekt Spittelau liegt der Fokus auf Umwelt, Qualität und Arbeitssicherheit“, so Baustellenleiter Ulrich Ponweiser. „Die Maßnahmen steigern die Energieeffizienz und sparen Erdgas ein.“ Konkret wird man künftig bei einer Verdreifachung der Stromproduktion fünf Mio. Kubikmeter Erdgas pro Jahr einsparen können.