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2020-07-12T19:41:32.2234218+02:00 BAUDATENBANK.AT - Österreichische Baudatenbank

Wien Energie forciert den Ausbau von Fernkälte


Wien Energie forciert den Ausbau von Fernkälte
Wien Energie forciert den Ausbau von Fernkälte und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur umweltfreundlichen Ausrichtung von Gebäudeklimatisierungen.

Vor allem in den heißen Sommermonaten wird die Klimatisierung von Gebäuden zur Herausforderung, die bei herkömmlichen Lösungen oft mit massiven Kosten verbunden ist. Aktuellen Schätzungen zufolge wird der Energiebedarf für die Klimatisierung von Bürogebäuden in Österreich schon in 20 Jahren dem heutigen Heizbedarf entsprechen. Innovative Lösungen sind gefragt. Wien Energie hat schon vor mehreren Jahren dieses Marktpotenzial erkannt und mit Fernkälte eine umweltfreundliche und komfortable Form der Gebäudeklimatisierung auf den Markt gebracht. Im Vergleich zur konventionellen Klimatisierung benötigt Fernkälte deutlich weniger Primärenergie und spart mehr als 70 % CO2-Emissionen ein – Vorteile, die immer mehr Kunden überzeugen.

Wien zählt bei der Fernkälteversorgung international zu den führenden Städten. Seit 2006 investiert Wien Energie in den Auf- und Ausbau des Fernkältenetzes. Die erste Kältezentrale ging im Jahr 2009 in der Müllverbrennungsanlage Spittelau an das Netz. Mittlerweile sind mehrere Kältezentralen in ganz Wien erfolgreich in Betrieb, die jüngste wurde im Frühjahr 2013 am Schottenring eröffnet. Die installierte Gesamtleistung beträgt aktuell 65 Megawatt. Das entspricht einer Kühlleistung von weit über 400.000 herkömmlichen Kühlschränken. In den nächsten Jahren wird das bestehende Fernkältenetz weiter verdichtet.

Wien Energie verfolgt bei der Fernkälteversorgung zwei unterschiedliche Konzepte. Bei dezentralen Lösungen werden Kältezentralen mit Absorptionskältemaschinen im Gebäude des Kunden errichtet und über das Fernwärmenetz mit der notwendigen Antriebsenergie vorsorgt. Diese Lösungen werden für Regionen angeboten, wo kein Fernkältenetz vorhanden oder in absehbarer Zeit geplant ist. Beim zweiten Konzept erfolgt die Versorgung ausgehend von einer Kältezentrale und einem Fernkältenetz, das direkt zu den Gebäuden der Kunden führt. Aktuell betreibt Wien Energie die Kältezentralen Spittelau, Schottenring, Rudolfstiftung und SMZ Ost.



Effizienter Energieeinsatz

Die Erzeugung der Kälte geschieht in den genannten Fernkältezentren von Wien Energie auf drei Arten: Ein Teil der Kälte wird über Absorptionsmaschinen, die Abwärme als Antriebsenergie nutzen, produziert. Die aus der Abfallverbrennung bzw. thermischen Stromerzeugung stammende Wärme gelangt über das Fernwärmenetz zu den Absorbern und wird dort in Kälte umgewandelt. Kompressionskältemaschinen erzeugen einen weiteren Teil der Kälte und verwenden Strom als Antriebsenergie. Durch den gebündelten Einsatz im Kältezentrum und die Verwendung modernster Technologien sind diese weitaus effizienter als kleinere dezentrale Gebäudekühlanlagen. Als dritte Methode wird in den Fernkältezentren Free Cooling angewendet. Dabei wird im Winter direkt mit Donauwasser oder aber auch der kalten Außenluft gekühlt.

Bei allen drei Varianten gelangt das Klimawasser über isolierte Rohrleitungen zu den Gebäuden der Kunden und wird dort in deren Klimasystem eingespeist. Im Zuge der Gebäudekühlung erwärmt sich das zirkulierende Wasser auf bis zu 17 Grad und wird dann in einem weiteren Kreislauf zurück zur Kältezentrale geleitet, wo es erneut auf 6 bis 7 Grad abgekühlt und dann wieder in das Fernkältenetz eingespeist wird. Dadurch entsteht ein geschlossener Kreislauf zwischen der Fernkältezentrale und den Kunden.

Hauptbahnhof Wien  
Das Fernkälteprojekt Hauptbahnhof ist derzeit das bedeutendste Vorhaben von Wien Energie in diesem Geschäftsfeld. Unter den Gleiskörpern wird eine Kältezentrale errichtet, die in der ersten Ausbaustufe über eine Kälteleistung von 20 Megawatt verfügen wird. Sie kann damit über ein Fernkältenetz eine Gebäudefläche von rund 400.000 m² klimatisieren. Zu den bereits vertraglich fixierten Kunden zählen der Erste Campus, die ÖBB (Verkehrsstation und Konzernzentrale), das Sonnwendcenter und das Hotel Five, die zusammen bereits 17 der installierten 20 Megawatt abnehmen werden. Durch den Einsatz der überschüssigen Abwärme als Antriebsenergie ist Fernkälte von Wien Energie besonders umweltfreundlich und hat besonders niedrige CO2-Emissionen im Vergleich zu herkömmlichen Klimaanlagen.

Neben sehr effizienten elektrischen Kältemaschinen werden dabei auch Absorptionskältemaschinen eingesetzt, die die Wärmeenergie aus der Müllverbrennung nutzen. Zur Rückkühlung werden Kühltürme im angrenzenden Schweizergarten errichtet. Die Versorgung der Kunden erfolgt über ein Fernkältenetz. Die erste Kältelieferung ist mit April 2014 geplant.

Wien Energie konnte in den letzten Jahren bereits zahlreiche Fernkälteanlagen errichten; auf der nächsten Seite finden Sie ausgewählte Beispiele.

Weitere Fernkälteanlagen von Wien Energie:

Renngasse – Signa
Im 1. Wiener Gemeindebezirk wurde 2013 eine Kältezentrale mit einer installierten Leistung von 6 Megawatt zur Klimatisierung von mehreren Gebäuden im Bereich Tuchlauben, Am Hof und Renngasse errichtet.

Sozialmedizinisches Zentrum Ost
Seit Juni 2010 wird das Sozialmedizinische Zentrum in Wien-Donaustadt (SMZ Ost) aus einer dezentralen Fernkältezentrale mit Fernkälte versorgt. Derzeit ist eine Kälteleistung von 4 Megawatt installiert, die in weiterer Folge auf 6 Megawatt ausgebaut wird.

TownTown
Die Heizung bzw. die Kühlung der Gebäude am Bürostandort TownTown im dritten Wiener Gemeindebezirk erfolgt über Fernwärme bzw. Fernkälte. Bereits seit 2006 sorgt eine eigene Kältezentrale für die Gebäudeklimatisierung. In der ersten Ausbaustufe wurden 5,3 Megawatt Kälteleistung und 1 Megawatt Free Cooling installiert.

Schwarzenbergplatz
Bereits seit 2007 ist am Wiener Schwarzenbergplatz eine dezentrale Kälteanlage mit einer Leistung von 1,2 Megawatt in Betrieb, wovon 0,8 Megawatt über eine Absorptionskältemaschine und 0,4 Megawatt über eine elektrische Kältemaschine erzeugt werden.

Fernkältezentrale Schottenring
Die Fernkältezentrale Schottenring ging im April 2013 offiziell in Betrieb und ist auf eine Gesamtleistung von 15 Megawatt ausgelegt, wobei alle drei Erzeugungsvarianten zum Einsatz kommen (siehe Beschreibung weiter oben). Die erzeugte Kälte gelangt in einem Leitungsnetz, das sukzessive bis zu einer Gesamtlänge von 2,4 Kilometern ausgebaut wird, zu den Kunden in den nahegelegenen Büro-, Hotel- und Universitätsgebäuden. Die Investitionskosten für die Fernkältezentrale Schottenring beliefen sich auf rund 15 Mio. Euro.

Rudolfstiftung und Projekt „Juchgasse 22“
Die Fernkältezentrale ging Ende 2012 in Betrieb und wird bis 2018 in zwei Ausbaustufen eine Gesamtkälteleistung von 7,6 Megawatt aufweisen. Derzeit befindet sich das Projekt „Juchgasse 22“ in Bau und soll ab Mitte 2014 Kälte liefern. Bei diesem Projekt wird über Wärmepumpen ein Doppelnutzen erzielt: Einerseits wird ein Rechenzentrum damit gekühlt und gleichzeitig dienen die Wärmepumpen für die Beheizung der medizinischen Bereiche des Projekts „Juchgasse 22“.

Krankenhaus Nord
Das aktuell in Floridsdorf errichtete Krankenhaus Nord wird voraussichtlich im Jahr 2015 eröffnet und dann zu den größten und modernsten Spitälern Europas zählen. Als Teil des innovativen Gesamtkonzepts wird die Klimatisierung über Fernkälte mittels Absorptionsprozess erfolgen; geplant ist eine Kälteleistung von 10 Megawatt.

MGC – Modegroßhandelscenter
Im dritten Wiener Gemeindebezirk steht eine Kältezentrale der besonderen Art mit einer Kälteleistung von 2,7 Megawatt. Mittels der Nutzung eines Grundwassersees kann im Sommer die Wärmeenergie der Rückkühlung der Kälteanlage gespeichert werden. Im Winter werden die Kältemaschinen im Wärmepumpenbetrieb gefahren, und die gespeicherte Wärme wird für die Heizung des Gebäudes verwendet. Gleichzeitig wird dabei der Grundwassersee wieder abgekühlt und steht im Sommer als Kältespeicher zur Verfügung.