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2019-12-12T11:11:14.5891250+01:00 BAUDATENBANK.AT - Österreichische Baudatenbank

Aufbruchssignal für die Zukunft!


Aufbruchssignal für die Zukunft!
23 Entwürfe – 23 Mal Inspiration: Der Wettbewerbsentscheid um den Entwurf für das geplante OWA-Entwicklungs- und Innovationszentrum in Amorbach spiegelte einen ganzen Kosmos zeitgenössischer Architektur im Gewerbebau wider. Innovation inspiriert! – Das ließ sich auf faszinierende Weise bei der Entscheidung für den Bauentwurf des geplanten Entwicklungs- und Innovationszentrums der Odenwald Faserplattenwerk GmbH (OWA) an ihrem Hauptsitz im fränkischen Amorbach feststellen.

23 Planungsentwürfe für das neue Gebäude waren anlässlich dieses nicht offenen Realisierungswettbewerbs von den teilnehmenden Architekturbüros zur Beurteilung an die sechsköpfige Jury eingegangen. Schon beim ersten von insgesamt zwei „Wertungsrundgängen“,
die an den mit den Entwürfen plakatierten Wänden der OWA-Ausstellungshalle vorbeiführten, wurde deutlich: Hier spiegelte sich tatsächlich ein ganzer Kosmos zeitgenössischer Architektur im Gewerbebau wider!

Dabei hatten die teilnehmenden Architektenbüros bei ihren Arbeiten sämtliche Freiheiten genutzt, die ihnen die Ausschreibung für die Planung eines repräsentativen und multifunktional nutzbaren Gebäudes gelassen hatte. Nicht zuletzt sollte die Außenwirkung des Innovationszentrums den Ansprüchen eines „Hidden Champions“ und Marktführers im Bereich Deckensysteme und -elemente aus Mineralwolle gerecht werden. Die von OWA entwickelten und gefertigten Produkte sollten sich – idealerweise - auf erkennbare Art im Entwurf, insbesondere in der Gestaltung der Fassaden widerspiegeln.

Dabei waren Vorgaben und Anforderungen im Zuge der Ausschreibung in der Summe eher überschaubar gehalten. Die Gesamtgeschossfläche sollte insgesamt 700 m² nicht überschreiten, die Positionierung des neuen Gebäudes auf dem OWA-Betriebsgelände
war im Ensemble mit den anderen Gebäuden aufgrund der vorhandenen Raumsituation klar festgelegt. Wesentliche Zufahrtswege durften nicht blockiert werden; ein reibungsloser Transport zum neuen Gebäude musste auch für größere Anlieferungen jederzeit
gewährleistet sein. Und natürlich: Auch die Wirtschaftlichkeit des Gebäudes (Jurykriterium: „pragmatische Qualität“) musste in den geplanten Budgetrahmen hineinpassen.

Anspruchsvoller waren die Vorgaben der Ausschreibung stattdessen bei der Gestaltung des Raumprogrammes. So war für Test- und Entwicklungszwecke ein Hallraum mit einem Innenraumvolumen von rund 210 m³ (bei über 5 m Höhe!) vorgesehen; weiterhin
www.owa.de ein „Isolarium“, in das eine Klimaprüfkammer integriert werden musste. Weitere Räume für Belastungstests und Fotoshootings, eine Werkstatt sowie drei Schulungsräume inklusive Lager sollten auf zwei oder drei Geschossebenen so miteinander in Beziehung gesetzt werden, dass eine optimale Nutzung mit möglichst raschen Zugängen untereinander gewährleistet wird.

„Forschung & Entwicklung, Produkttests, Kundenpräsentationen oder auch Weiterbildungen für unsere Mitarbeiter: „Wir wollen in dem neuen Gebäude eine Vielzahl von unterschiedlichen Funktionen und Aufgaben bündeln, die sich um die beiden Themen
Innovation und Vermittlung von Wissen drehen“, so der Geschäftsführer der Odenwald Faserplattenwerk GmbH, Maximilian von Funck. „Für uns ist das OWA-Innovationszentrum vor allem auch ein klares Aufbruchssignal für die Zukunft und ein Bekenntnis,
dass wir unseren Einsatz in den Bereichen Entwicklungs- und Schulungsmaßnahmen in den kommenden Jahren noch einmal erhöhen werden, mit dem Ziel, unsere Marktposition weiter auszubauen.“

Um bei der Vielzahl der Bewerber und Teilnehmer den Auswahlprozess – aus rund 100 Bewerbungen waren 26 Teilnehmer und schließlich 23 Entwürfe hervorgegangen – so fair und transparent wie nur möglich zu gestalten, hatte das fränkische Unternehmen als
Partner die Bayerische Architektenkammer und für die Gesamtbetreuung von Ausschreibung und Wettbewerb das Architektenbüro arc.grün landschaftsarchitekten.stadtplaner GmbH mit ins Boot genommen. Der Zeitrahmen von der ersten Planung bis zum finalen Wettbewerbsentscheid war dabei über die zweite Jahreshälfte 2016 straff gespannt. Die Bewerbungsfrist hatte am 21. September geendet, letztmöglicher Termin für das Einreichen der Vorschläge war der 24. November gewesen. Thomas Wirth von arc.grün
zeigte sich vor allem von der Gewissenhaftigkeit beeindruckt, mit der dabei vorgegangen wurde: „OWA hat den Wettbewerb nach allen Kriterien einer öffentlichen Ausschreibung organisiert und durchgeführt. Das Unternehmen hat aber nicht nur durchgängig für
Transparenz gesorgt, sondern mit der Auswahl von fünf ‚gesetzten‘ Teilnehmern gerade auch jungen, ambitionierten Architekturbüros im Rahmen der Ausschreibung die Chance gegeben, die eigenen Fähigkeiten zu präsentieren.“

Allein damit hatten die Organisatoren bereits die Grundlage für eine breite, vielgestaltige Palette von Entwürfen gelegt. Hervorstechend war dabei die Vielfalt der Fassadengestaltung. Gelochte Metalltafeln, Glasoberflächen mit umlaufender Pfosten-Riegel- Konstruktion, Streckmetallpaneelen oder geometrische Abbildungen kristalliner Strukturen: Hier ging eine Vielzahl verschiedenartiger Konzepte mit einem breiten Angebot an unterschiedlichen Strukturen und Materialien einher. Fast ebenso breit gefächert war das Spektrum der Gebäudeformen und Stilelemente: von kubischer Schlichtheit über Trapezformen der zwei- oder dreigeschossig angelegten Entwürfe reichte dies bis zu komplexeren Verbindungen mit zusammengesetzten Kuben, ganzen „Gebäuderiegeln“
oder „Treppenhausskulptur“.

Siegreich aus dem Wettbewerb um den besten Entwurf gingen schließlich Seyfried & Psiuk Architekten aus Schwäbisch Gmünd hervor, 2015 Gewinner eines der „German Design Awards“. Ihr dreigeschossiger Gebäudeentwurf überzeugte die Jury vor allem mit
seinem durchweg flexiblen Raumkonzept, nach dem man bestimmten Räumen je nach Bedarf unterschiedliche Funktionen zuweisen konnte. Zudem war bei dem Gebäudeentwurf schon konzeptionell die Möglichkeit angelegt, den Korpus bei steigendem Bedarf
nach räumlichen Kapazitäten modular zu erweitern.


Den zweiten Platz erreichten fehlig moshfeghi architekten aus Hamburg mit ihrem zweigeschossig angelegten Entwurf für das Innovationszentrum. Dabei beeindruckte die Jury vor allem die „ausdrucksstarke Gebäudeform“, die mit ihrem „auskragenden Obergeschoss und dem überdachten Eingangsbereich eine hohe Wiedererkennbarkeit vermitteln“ konnte. Das Fazit hier: „Die prägnante Architektur symbolisiert Innovation und wäre damit ein markantes Wahrzeichen eines OWA-Innovationszentrums.“


Der dritte Preis im Rahmen der Ausschreibung ging an rüdenauer–architektur aus Stuttgart. Hier gefiel der Jury vor allem das vertikale Lamellenkonzept, das dem strukturell eher zurückhaltenden, zweigeschossigen Gebäudeentwurf vorgelagert war und sich flexibel öffnen und schließen ließ (z. B. als Sonnenschutz).


Der erste Preisträger erhält dabei 10.400 Euro, der zweite 6.500 Euro und der dritte 3.900 Euro als Preisgeld. Weitere jeweils 2.600 Euro gehen als „Anerkennung“ an die Büros von MGF Architekten GmbH, Dipl. Ing. Josef Hämmerl, und K+H, Kilian + Partner PartGmbH, beide aus Stuttgart. Die Preisverleihung fand zusammen mit der Ausstellung der Preisträgerarbeiten anlässlich der Messe BAU 2017 in München am Mittwoch, den 18. Januar.2017, ab 18.00 Uhr statt.

Fotos: OWA