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2020-11-27T00:23:09.4907031+01:00 BAUDATENBANK.AT - Österreichische Baudatenbank

CREATON: Referenzobjekt - Alte Mühle, Liebenthann - Eine 350 Jahre alte Herausforderung


CREATON: Referenzobjekt - Alte Mühle, Liebenthann - Eine 350 Jahre alte Herausforderung

Bis 1916 wurde hier noch Mehl gebacken. Seit 1990 stand das Anwesen leer, zerfiel in den Jahren danach zusehends. Dann verliebte sich das Ehepaar Brigitte und Steffen Haid in das Anwesen. Vor ihnen stand eine Herkulesaufgabe. Gleich 14 Behörden hatten „ein Auge“ auf die denkmalgeschützte ehemalige Schlossmühle unterhalb der Burg Liebenthann bei Obergünzburg im Allgäu geworfen. Allein die Ausbesserungsarbeiten am Dachstuhl bedeuteten eine gewaltige handwerkliche Herausforderung. Verrottete Pfetten und Sparren mussten ausgetauscht oder repariert, Verstärkungswinkel eingebaut werden. Bei der anschließenden Neueindeckung waren die alten Ziegel nicht mehr zu verwenden. 30.000 Flächen- und Firstziegel der CREATON AG lassen das Dach nun wieder naturrot leuchten.

„Ein Denkmal kann kein Neubau sein“
Naturrot ist die Farbe der Dächer in Süddeutschland, Biberschwanzziegel sind typisch für die Region. Die ersten Biberschwanz-Tondachziegel tauchten spätestens rund um die Nürnberger Ziegeleien des 14. Jahrhunderts auf und verbreiteten sich schnell im Raum südlich der Mainlinie. Zu den Denkmalschutz-Auflagen für die Sanierung der spätbarocken Wassermühle am Flüsschen Günz gehörte denn auch ein naturrotes Dach mit Biberschwanz-Eindeckung. Doch zuvor galt es, einige Konflikte aus dem Weg zu räumen. Denkmalschutz-Vorschriften standen manchmal gegen die Vorstellungen der Bauherren und der Architektin – Marion Bartl von Bartl & Ungethüm aus Altusried. Kompromisse waren unausweichlich. So mussten die alten Fenster bleiben, eine bessere Isolierung war nur durch eine Vorverglasung möglich. Das war Steffen Haid allerdings von vornherein klar: „Ein Denkmal kann kein Neubau werden, und wer einen Neubau will, der sollte die Finger vom Denkmal lassen.“

Altes Haus mit neuer Technik
In Zeiten des globalen Klimawandels greift die Energieeinsparverordnung, die eine Optimierung der Wärmedämmung vorschreibt. Eine bessere Wärmedämmung bedeutete im Fall der Mühlensanierung ein höheres Gewicht, alleine schon durch das Dämmmaterial. Um die Statik zu gewährleisten, wurden Fundamente und Mauern ausgebessert. Auch der Dachstuhl, der 1864 erneuert worden war, gefährdete die Stabilität. Verrottete Pfetten und Sparren mussten ersetzt werden, dann wurde der Dachboden zum Wohnraum ausgebaut – ein Fall für das 101 Jahre alte Familienunternehmen der Zimmerei Taufratshofer-Bichtele aus Blonhofen.

30.000 Biber für drei Dächer
Nach der Instandsetzung des Satteldachs mit seinen acht Schleppgauben stand die Neueindeckung an. Auch dabei war wichtig, dass die Stabilität des Gebäudes stimmte. Die Entscheidung für eine Neueindeckung mit den „KLASSIK“-Biberschwanz-Tondachziegeln von CREATON hatte Bauherr Steffen Haid schnell getroffen: „Hier geht es in erster Linie um ein kulturhistorisches Denkmal, und wir brauchten ein qualitativ hohes, langlebiges Produkt, bei dem auch die Statik mitspielt.“ Der CREATON-„KLASSIK“-Biber überzeugte nicht nur die Bauherren, sondern auch die Denkmalpfleger, die eine gebürstete Oberfläche der Dachziegel vorschrieben.

Als sich Zimmermeister Hans Häring mit seinem Team aus Obergünzburg-Ebersbach an die Neueindeckung machte, waren alle Probleme der Statik aus dem Weg geräumt: „Die Verlegung war einfach und unkompliziert. Nach fünf Wochen waren wir fertig“, so Häring. Um die Gaubenvordächer möglichst historisch zu gestalten, wurde bewusst auf Ortgangbretter und Verblechungen verzichtet. Damit trotzdem kein chemischer Holzschutz notwendig wurde, sind die freiliegenden Dachlatten in Eiche ausgeführt worden. Insgesamt wurden 30.000 gebürstete „KLASSIK®“-Rundschnittbiber auf einer Fläche von 900 Quadratmetern verlegt. Jede Menge Ton, denn das Gebäudeensemble auf dem Anwesen besteht aus der alten Mühle, einer Säge und einem Stall, und alle drei Gebäude brauchten ein neues Dach auf alten Mauern. „Eine kleine Herausforderung hatten wir schon mit den Schleppgauben“, so CREATON-Fachberater Herbert John. Die gesamte Fassade wie auch die Dachform mussten nämlich erst einmal anhand alter Zeichnungen rekonstruiert werden. Da es sich um kein Standardprodukt, sondern um eine Sonderanfertigung handelt, wurden die Tondachziegel erst nach Auftragserteilung produziert und ausgeliefert.

Steffen Haid, einst Unternehmer und jetzt Privatier, hatte ein Jahr nach dem Erwerb der Mühle Ende 2004 mit den Sanierungsarbeiten begonnen. Endgültig fertig wird sein Schmuckstück nach eigenen Angaben wohl erst im Jahr 2011. Er und seine Frau wollen in der alten Mühle Ferienwohnungen und im bereits bestehenden Stall ein Ausflugslokal einrichten. Dann werden die leuchtenden naturroten Dächer von Liebenthann nicht nur den Hausherren, Architekten und Zimmerleuten gefallen...

Historie:
Erstmals erwähnt wurde die Alte Mühle Liebenthann 1655, doch die ursprüngliche Bausubstanz ist deutlich älter, wie sich beim Umbau herausgestellt hat. Der Vorgängerbau war im 30-jährigen Krieg von den Schweden zerstört worden. Die baulichen Veränderungen im Lauf der Jahrhunderte lesen sich wie ein Führer durch die Kunst- und Architekturgeschichte. 1698 wurde die Mühle erstmals umgestaltet. 1747 bis 1750 erhielt das Anwesen die heutige spätbarocke Fassade. Der Grundriss wurde substantiell geändert, der Eingang von der Ost- zur Südseite verlegt. Um 1840 entstand im Obergeschoss eine Biedermeierstube, deren Schablonenmalereien nun freigelegt und restauriert wurden. Der Dachstuhl wurde 1864 erneuert. Um 1920  erfolgte der Einbau einer Turbine zur Stromerzeugung.