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2019-07-20T23:06:36.7266875+02:00 BAUDATENBANK.AT - Österreichische Baudatenbank

Unsere Windrichtungen funktionieren wie Gore-Tex Jacken


Unsere Windrichtungen funktionieren wie Gore-Tex Jacken
Darum schützen diese Ihr Gebäude vor Umwelteinflüssen und die guten Dämmeigenschaften bleiben erhalten. Wie Wärmeverlust effektiv verhindert werden kann und warum Zellulose bei Forschungsprojekten am Besten abschneidet!

Nur wer sein Gebäude vor Wind schützt, verliert keine Dämmwirkung. Josef Putzhammer ist Experte für Winddichtung sowie für Forschung und Entwicklung. Im Interview erklärt er, wie Wärmeverlust effektiv verhindert werden kann und warum Zellulose bei Forschungsprojekten am besten abschneidet.


Herr Putzhammer, Winddichtheit ist ein vergleichsweise junger Bereich in der Optimierung der Wärmedämmung. Warum hat sich dieser Bereich etabliert?
Wir haben Winddichtheitsprodukte seit 1994 im Portfolio und den Bereich gibt es auch noch gar nicht viel länger in der Branche. Er kam zusammen mit dickeren Dämmstärken auf, wo diffusionsoffene Folien benötigt wurden. Die Winddichtungen, von denen wir hier sprechen, sind immer Folien, die vor Wind und Regen schützen, aber auch Trocknung zulassen. Sie funktionieren ähnlich wie eine Gore-Tex-Jacke, die trocken hält, aber auch atmen lässt.

Warum ist Winddichtheit von so großer Bedeutung?
Mangelnde Winddichtheit führt zur Durchströmung der Dämmebene durch Außenluft. Das reduziert die Dämmleistung des Dämmstoffs enorm. Dieser Effekt wirkt sich umso schlimmer aus, je strömungsoffener ein Dämmstoff ist. Prinzipiell dimensioniert ein Architekt oder Planer die Bauteile eines Gebäudes auf Basis bestimmter Berechnungen. Im sogenannten Energieausweis werden dann die tatsächlichen Wärmeverluste oder der Heizwärmebedarf abgeschätzt. Allerdings gibt es Bauteile, die aufgrund mangelnder Winddichtheit größere Transmissionswärmeverluste zulassen, als sie sollten, was dazu führt, dass die tatsächlichen Energieverbräuche weit von den berechneten abweichen.

Wird falsch gerechnet?
Nicht unbedingt falsch. Es ist gut und in Ordnung, dass ein Energieausweis erstellt wird. Allerdings werden als Berechnungsgrundlage Laborwerte herangezogen, die stark abweichen können von den realen Wärmewiderstandswerten. In der Theorie erreichen manche Produkte sehr gute Dämmwerte, die in der Praxis an der Verarbeitbarkeit scheitern oder durch physikalische Einflüsse beeinträchtigt werden. Deshalb ist winddichtes Bauen von so großer Bedeutung. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass der Strömungswiderstand des Dämmstoffs einen starken Einfluss hat. Bei einem strömungsoffenen Dämmstoff wie Mineralfaser wird sich der Effekt wesentlich stärker negativ auf den U-Wert auswirken als bei einem strömungsbremsenden Dämmstoff wie Zellulose.

ISOCELL hat sich an einem Forschungsprojekt des unabhängigen Instituts Holzforschung Austria zum Thema „Winddichtheit von Unterdächern“ beteiligt. Das schließt direkt an Ihre Ausführungen an. Was waren die Ergebnisse?
In Labor und Freilandversuchen wurden in Dachschrägen verschiedene Dämmstoffe eingebaut. Es wurden bauübliche Leckagen eingebaut, die in der Praxis häufig vorkommen. Im Traufenbereich, zwischen den Sparren wird ja meist nur ein Spatzenbrett montiert und in den seltensten Fällen abgedichtet. Bei dem Forschungsprojekt versuchte man, herauszufinden welche Auswirkungen diese Leckagen auf den Transmissions- Wärmeverlust des Daches haben. Man hat erkannt, dass sich dieser Wert bei Mineralfaserdämmung 1,5 bis drei Mal so stark erhöht wie bei Zellulosedämmung. Zellulose kompensiert hier die mangelnde Winddichtheit, was wir durch andere Prüfungen auch noch bestätigen und unterstreichen konnten.

Welche Tests wurden durchgeführt?

Wir wollten etwa genau in Erfahrung bringen, wie sich die Luftdichtheit nur durch den Wechsel des Dämmstoffes verändern kann. Dazu haben wir in einem Forschungsprojekt die Volumenströme einer beidseitig mit 18 Millimeter dicken OSB-Platten beplankten Wand bei 50 Pa Druckdifferenz getestet. Die Verbesserung zwischen ungedämmt und Glaswolle lag bei 0,8 Prozent. Die Zellulose brachte eine 48,7-prozentige Verbesserung. Das ist ein enorm positiver Wert. In Österreich steht seit 2010 in der ÖNORM 2320, dass die winddichte Ebene ununterbrochen herzustellen ist.

Wie schwer ist diese Norm umzusetzen?
Es klingt einfacher als es ist und erweist sich als sehr aufwändig. Die Anforderungen an Detaillösungen werden immer höher. Es werden schon recht lange Folien verlegt, aber nicht an allen Ecken und Enden dicht angeschlossen. Oft ist es in der Praxis total schwierig, z. B. die Dachbahn mit der winddichten Ebene zu verbinden. Österreichs Normenvorschriften sind in diesem Bereich europaweit führend, während in Deutschland die Regelwerke dem Stand der Technik noch nicht gefolgt sind.

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