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2020-07-11T22:50:55.0720547+02:00 BAUDATENBANK.AT - Österreichische Baudatenbank

Zuerst der Kühlschrank, jetzt die Heizung


Zuerst der Kühlschrank, jetzt die Heizung

Was bei der Weißware schon seit zwei Jahrzehnten eine Selbstverständlichkeit ist, wird ab 26. September 2015 auch bei Heizsystemen verpflichtend eingeführt: Das Energielabel.

Ungefähr 40 % des Gesamtenergieverbrauchs werden in der EU dem Gebäudesektor zugerechnet. Daher ist eine Reduktion des Energieverbrauchs und CO2-Ausstosses in diesem Bereich auch eine bedeutende Maßnahme zur Verringerung der Energieabhängigkeit Europas. In Österreich konnte bereits der Wärmebedarf in Gebäuden trotz Zunahme an beheizter Wohnfläche durch strengere Bauordnungen und Lenkungsmaßnahmen bei der Wohnbauförderung stabilisiert werden. Nun werden die Heizsysteme einem „Effizienzaudit“ unterzogen, um auch weiterhin den Energieverbrauch senken zu können. Ein gewaltiges Einsparpotenzial schlummert gerade in diesem Bereich – denn 85 % der Energie werden in einem Gebäude für Heizung und Warmwasserbereitung benötigt. Beim Austausch oder beim Neubau einer Heizung soll dem Kunden schon im nächsten Jahr mit Hilfe des Energielabels die Kaufent-scheidung für sein Heizsystem erleichtert werden. Ziel der neuen EU-Ökodesign - Verordnung  ist es, die Effizienz von Heizsystemen durch Vorgabe von Mindeststandards zu steigern.

Während bei der Weißware (Kühlschränke, Waschmaschinen, Geschirrspüler, Staubsauger, etc.) eine für den Konsumenten übersichtliche und einfache Vergleichsbasis der Produkte innerhalb einer Kategorie gegeben ist, so ist dies bei Heizsystemen nicht der Fall. In LOT 1 sind nämlich alle Öl- bzw. Gas-Heizgeräte, mikroKWKs, aber auch Heizungswärmepumpen bis 70 kW zusammengefasst. Bei der Weißware ist für den Konsumenten ganz klar, dass z.B. eine Waschmaschine mit A++ effizienter ist und somit geringere Energiekosten hat, als eine Waschmaschine mit A+. Mit der selben Logik geht daher der Konsument in Zukunft bei Öl- und Gasgeräte bzw. Wärmepumpe vor – und dies ist aber falsch. Ein Ranking innerhalb der Gasgeräte mit der Effizienzklasse ist zulässig. Ein Vergleich von Gaskessel mit Wärmepumpe aber nicht. Der effizienteste Öl- bzw. Gas-Brennwertkessel wird in Zukunft ein Effizienzlabel von maximal A erhalten, die schlechteste Wärmepumpe A+. Entscheidend für den Konsumenten sind – im Gegensatz zur Weißware, wo alle Geräte mit dem Energieträger Strom betrieben werden – nicht nur das Energielabel, sondern primär die jährlich zu erwartenden Heizkosten, welche hauptsächlich vom Preis des Energieträgers, der Qualität der Gebäudes, der vor Ort Einstellung, dem Benutzerverhalten und dem Wartungszustand des Gerätes abhängen.

Wenn nun ein Brennwertgerät mit dem Produktlabel A ausgewiesen wird und eine Wärmepumpe mit A+, so bedeutet das nicht grundsätzlich, dass Brennwertgeräte per se höhere Heizkosten haben als Wärmepumpen. Denn der Strompreis liegt in Österreich bei ca. 18 Cent/kWh, der Gaspreis bei derzeit ca. 7 Cent/kWh. Desweiteren fehlt bei der reinen Produktlabelbetrachtung, dass es sich bei den Effizienzklassen um reine Prüfstandswerte, ohne Berücksichtigung der thermischen Qualität des Hauses bzw. der tatsächlich ausgelegten Temperatur des Heizsystems, handelt. Hier liegt der fundamentale und essentielle Unterschied zwischen den Produktlabeln der Weißware und den Labeln in LOT 1. Es ist somit sehr viel Aufklärungsarbeit seitens der Industrie, aber auch des Fachhandwerks nötig, um den Konsumenten bei der Auswahl des „richtigen Heizsystems“ zu unterstützen.

Ab 26.9.2015 müssen alle Heizgeräte mit einer Heizleistung von 70 kW, sowie auch Heizsysteme die aus mehreren Geräten bestehen, mit dem ErP-Label gekennzeichnet sein. Heizgeräte mit einer Heizleistung von 70 kW bis 400 kW benötigen kein Energieeffizienzlabel, müssen aber die Mindesteffizienzkriterien erfüllen. Bei Heizanlagen mit mehreren Komponenten ist seitens der EU ein „gemeinsames“ Effizienzlabel erforderlich.
Als Grundregel gilt: Ausgangspunkt der Bewertung eines Heizsystems ist das „Einzelheizgerät“, welches eine Effizienzeinstufung hat. Bestimmte Systemkomponenten werten das „Einzelheizgerät“ durch Bonuspunkte auf. Dies führt dazu, dass z.B. Systemkombinationen bestehend aus einem Gas-Brennwertgerät mit Regelung einem Speicher und Sonnenkollektoren eine gemeinsame Effizienzeinstufung als „System“ erhalten. Diese Systemkennzeichnung wird auch „Package-Label“ genannt, welches der Installateur bereits bei der Offerterstellung ausweisen muss.

In nachfolgender Grafik wird gezeigt, wie aus einem Gas-Brennwertgerät der Labelkategorie A in Kombination mit Sonnenkollektoren, Speicher und Regelung ein Systemlabel A+ entsteht.


Bei den altbewährten Glühbirnen hatte bereits die ErP-Richtlinie eine dramatische Auswirkung – sie sind vom Markt verschwunden und de facto nicht mehr erhältlich. Ähnliche Auswirkungen wird es bei den Heizgeräten geben, welche den vorgegebenen Mindesteffizienzstandard (Etas-Wert) nicht erfüllen wie z.B. gebläseunterstütze Gas-Heizwertgeräte (Turbo Geräte).

Welche Bedeutung hat die ErP-Richtlinie für die Intallateurbranche und welche Auswirkungen werden erwartet?
Ab 26.9.2015 können nur mehr „gelabelte Heizgeräte“ in den Markt gebracht werden, welche die vorgegebenen Effizienzstandards auch erfüllen. Die Mindesteffizienz für gasbetriebene Heizsysteme liegt bei einem Etas-Wert von >86 %. Dieser neue Effizienzstandard bedeutet ein quasi „Brennwert-Gebot“ für alle Gas- bzw. Ölheizsysteme. Die „klassiche“ Gas-Kombitherme dürfte somit nur mehr bis Ende September 2015 installiert werden. Danach ist ein Wechsel auf Gas-Brennwertgeräte grundsätzlich vorgeschrieben. Brennwertgeräte sind effizienter, haben geringere Emissionen und schonen die Umwelt. Sie stellen jedoch auch höhere Anforderungen an den Kamin. Aufgrund der niedrigen Abgastemperaturen ist eine Kaminsanierung (Einzug eines Rohrs in den bestehenden Kamin) unumgänglich. Brennwertgeräte werden daher Stand der Technik und es ist davon auszugehen, dass die Kaminsanierung in Zukunft vom Hauseigentümer und nicht vom Mieter zu tragen ist. Es gibt aber eine Ausnahme für das „Brennwert-Gebot“ in ErP-Richtlinie: Atmosphärischen Gas-Heizwertgeräte von Typ B1 (klassische Wiener Kombi-Therme), welche in einem Mehrfamilienhaus an einem Abgassammler (mehrfach belegter  Kamin) angeschlossen sind, dürfen auch nach dem 26.9.2015 weiter installiert werden.

Abzuwarten ist jedoch, wie in Österreich die Marktüberwachung erfolgt und die Interpretation von mehrfachbelegten Fängen seitens der Behörde (Landessache) ausgelegt wird. Eines steht jedoch fest: Die ErP-Richtlinie bedarf keiner nationalen rechtlichen Umsetzung und wird ab 26.9.2015 in Österreich wirksam.  Eine spannende Zeit mit grossen Chancen aber viel Aufklärungsarbeit steht unserer Branche bevor.